„In Verantwortung, dass so etwas nie wieder geschieht“

Heute fand eine Gedenkkundgebung der jüdischen Gemeinde Oranienburg, der Stadt Oranienburg und Anderen an der Havelstraße 6 statt. Wir versammelten uns am Gedenkstein für das zerstörte Betshaus, welches Opfer der Reichspogromnacht von 1938 wurde. Dort legten wir gemeinsam mit anderen politischen und gesellschaftlichen Institutionen Kränze nieder um den jüdischen Opfern dieser Nacht zu gedenken. Auf der Kundgebung gab es Redebeiträge durch den Bürgermeister von Oranienburg Hans-Joachim Laesicke, Prof. Hajo Funke und auch ein Gebet des Landesrabbiner Shaul Nekrich.
An der Kundgebung nahmen mehr als 60 Personen teil. Anschließend zogen sie an einigen Stolpersteinen vorbei, die an Deportierte erinnern, weiter zum jüdischen Friedhof Oranienburg, wo der Landesrabbiner Shaul Nekrich erneut ein Gebet sprach.

In der Nacht vom 09. zum 10.November 1938 verwüsteten SS und SA deutschlandweit jüdische Gebetshäuser, Friedhöfe, Wohnungen, Schulen und Läden. Das Resultat des Terrors waren knapp 400 Tote, die Verwüstung von mehr als 1.400 Gebets- und Gemeindehäuser, sowie Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe in Deutschland und Österreich – mehr als 30.000 Jüd*innen wurden in Konzentrationslager verschleppt. Der als „spontaner Akt des Volkszorns“ deklarierte Pogrom war keineswegs ungeplant. Die Ausschreitungen begangen bereits am 07.November 1938 in Magdeburg und Kassel in dem SS- und SA-Angehörige in Zivilbekleidung die ersten jüdischen Objekte attackierten. Als Vorwand nutzen die Nationalsozialisten die Ermordung des Legationssekritärs an der Deutschen Botschaft in Paris durch den siebzehnjährigen jüdischen Jungen Herschel Grynszpan, der dadurch auf die Abschiebung von 17.000 polnischen Jüdinnen und Juden, zu denen auch seine Eltern gehörten, aufmerksam machen wollte. Während die Mehrheit der deutschen Bevölkerung schweigend wegschaute, oder gar an den Pogromen teil nahm, wurde jüdisches Leben und Kultur fast vollständig zerstört. Die Reichspogromnacht stellte bis dahin den Höhepunkt staatlichen Terrors gegen Jüdinnen und Juden seit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 dar.

Wie in vielen anderen Städten Deutschlands und Österreichs kam es auch in Oranienburg zu Verwüstungen jüdischer Religions- und Kulturstädten. Hier, in der Havelstraße 6, stand einst die Synagoge der jüdischen Gemeinde, zu der eine Schule und ein Mikwe gehörten. Seit 1848 war diese Teil der Stadt Oranienburg und wurde beim Novemberpogrom zerstört.

„In Verantwortung, dass so etwas nie wieder geschieht“

Die Toten mahnen uns, es gibt kein Vergeben und kein Vergessen. Entgegen dem diffusen Trend der Feier bezüglich des “Falls” der Mauer und somit des erstarken von deutschem Nationalismus und der Herstellung der deutschen Souveränität bleibt der 9.November für uns ein Tag der Trauer und Mahnung. Auch wenn der 9.November ein Datum mit vielen Gesichtern der deutschen Geschichte ist bleibt es in unserer Verantwortung Tendenzen einer neuen Wiederkehr von Neonazismus zu bekämpfen!

Bilder: Sören Kohlhuber

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