Selbstverständnis [Stand Februar 2009]

In der Antifa Gruppe Oranienburg haben sich junge Menschen zusammen gefunden, die zum Teil von der alten [A.G.O.] politisiert wurden und nun konsequenter aktiv werden wollten gegen rechtes Treiben und Strukturen in Oranienburg. Zu lange wurde weggeschaut – das dachten auch wir, als wir uns aufgrund besonders abstoßender Aktionen der JN rund um den 8.Mai 2008 gründeten.

Seit der Wende ist Oranienburg und Oberhavel immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten. Meist ging es dabei um Neonaziaktivitäten, weshalb gerade Oranienburg das Attribut „No Go Area“ aufgedrückt bekam.
Ob eine Hetzjagd auf einen Tunesier durch Oranienburg im Jahre 2002 oder der Staatsrassismus in Form des Asylbewerberheims Hennigsdorf, wo notleidende Menschen zusammengepfercht werden, kaum Geld zum Überleben bekommen und Oberhavel nicht verlassen dürfen – Nicht nur die Unterdrückung und Schikanierung von Migranten/Migrantinnen (auch per Gesetz) ist exemplarisch für alle Asylheime in Deutschland. Dabei ist zu beachten, warum Menschen aus ihren Heimatländern fliehen – sie sind die durch uns ausgebeutete Bevölkerung der sogenannten Entwicklungsländer, sowie der 3. Welt-Länder.

Beachtet mensch den Rassismus von Staatswegen her, fällt auf, dass dieser auf Resonanz bei einer breiten Masse der Bevölkerung trifft und als “Stammtischparolen” wiedergegeben wird. Ressentiments entstehen somit nicht nur aus dem hohlen Bauch heraus und aus Vorurteilen, sondern werden ebenfalls von der BRD-Politik auf den Weg gebracht.

SEXISMUS/HOMOPHOBIE

Diese Unterdrückungs- und Ausgrenzungsformen werden auch von Bürgerbündnissen und der Zivilgesellschaft attackiert und bekämpft. Was aber nicht in dem Fokus steht, sind Sexismus, Sozialdarwinismus und Homophobie.
Immer wieder sind Homosexuelle Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt. Zwar gibt es in Oberhavel uns keine bekannten Fälle von Gewalt, aber „Schwuchtel“ ist hier genauso wie überall ein beliebtes Schimpfwort.
Es ist nicht nur die kapitalistische Gesellschaft, die ausgrenzt, unterdrückt und ausbeutet. In diesem unfairen System gibt es noch einen barbarischeren Part: den des Patriarchats. Denn patriarchisches Denken findet seine Unterstützung im Kapitalismus – sichtbar an der unterschiedlichen Bezahlung von Mann und Frau, bei gleicher Arbeit.

Frauen werden in Medien und Gesellschaft immer noch abgestraft. Es sind gerade Frauen, die oft nicht als Menschen, sondern als Objekte verstanden werden. In Musikvideos räkeln sich Frauen als Sexobjekte auf Autos und die „coolen“, „harten“ Männer schlagen ihnen dabei gern auf den Hintern. Wenn Männer sowie Frauen aus ihren jeweiligen Sozialisationen ausbrechen wollen, werden sie angefeindet. Ein gutes Beispiel ist das Ressentiment gegenüber der Emo-Subkultur, die wie wir gegen das stereotypische Bild von “Mann” und “Frau” und den Sexismus gegenüber Geschlechtern und sexuellen Orientierungen kämpft.

KAPITALISMUS

Das kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftssystem basiert auf und bewirkt die soziale Ungleichheit der Weltbevölkerung. Der Kapitalismus ist kein faires System, unter dem sich die Menschen frei und sozial gleich gestellt entwickeln können.
Nur zu seinem Nutzen werden Menschen unterdrückt und die Natur ausgebeutet. Von Rassismus, Faschismus, Sexismus und allen existenten Gesellschaftswucherungen profitiert eine besitzende und herrschende Minderheit, die durch geschürte Ungleichheit Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufspielen und ausnutzen kann, um ihren Profit zu maximieren. Die moderne Bourgeoisie agiert mit mehreren Facetten, oft maskiert sie sich mit sozialen und gutmütigen Aspekten, die dem einfachen Arbeiter jedoch nie eine lebensfähige Alternative geben, da die herrschende Minderheit egoistisch handelt und es auch immer tun wird – und zwar rücksichtslos. Es gilt, dieses System abzuschaffen und für eine soziale, humane und antikapitalistische Alternative einzustehen und zu kämpfen, so weit wie es uns möglich ist!

ANTISEMITISMUS

Der Antisemitismus ist aufgrund der historischen Gegebenheiten ein wichtiger Punkt in der Geschichte von Oranienburg. Im KZ Sachsenhausen wurden neben politischen Gefangenen, Kriegsgefangenen, Homosexuellen, Sinti/Roma und sogenannten Assozialen auch zum großen Teil Jüdinnen und Juden – egal ob sie ihre Religion praktizierten oder nicht – unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt, gefoltert und umgebracht. Das Gedenken an die Opfer muss erhalten bleiben, doch dies wäre nicht genug. Denn auch in den Kneipen, den Schulen und Familien gehört es zum guten Ton, Opfer zu Tätern zu machen: Sei es beim Nahostkonflikt, oder wenn Jude als Schimpfwort gebraucht wird. Noch heute wird Juden die Schuld für den globalen Kapitalismus gegeben.

Für uns ist es daher wichtig, antisemitische Strukturen und Tendenzen zu bekämpfen, die nicht nur im rechten Lager zu finden sind. Rechtsradikale und antisemitische Schmierereien tauchen in regelmäßigen Abständen in Oranienburg und Umgebung auf. Die Täter schrecken nicht davor zurück, diese auch bei der Gedenkstätte Sachsenhausen zu “platzieren” oder den jüdischen Friedhof zu schänden. Am 26. September 1992 gab es sogar einen Brandanschlag auf die „jüdische“ Baracke im ehemaligen KZ Sachsenhausen. Die Schuldzuweisungen der Nazis und Alltagsrassisten wird vermengt mit einer Vielzahl von nationalistischen und völkischen Ideen. Zum Beispiel wird ein Europa der Nationen propagiert, in dem nur “National”-Staaten existieren sollen.

NATIONALISMUS

Die spürbarste Ausgrenzung mit der jeder aufwächst ist der Nationalismus. Ob bei EM, WM oder auf der Straße. Nach der Trennung von Geschlechtern ist das Unterteilen in Nationen die nächstmögliche Ausgrenzung. Gerade die letzten Fußball-Großereignisse zeigten, dass der Spaß des „Deutschland anfeuern“ schnell unangenehmer Ernst wird. Nachdem die Deutschen bei der EM 2008 die türkische Nationalmannschaft besiegten, gab es in Dresden Angriffe auf türkische Geschäfte. Als die Deutschen gegen Italien bei der WM 2006 verloren, gab es bundesweite Attacken, diesmal auch in Oranienburg – auf das italienische Restaurant „Paganini“. Dies sind alles Alarmsignale, die kaum beachtet werden.

Denn solche Ausgrenzungen werden meist von den Medien und Politikern erst dann wahrgenommen, wenn es um Hetzjagden oder Morde geht. Eine Partei, die in Oberhavel aktiv ist und derartige Gewalt schürt, ist die NPD samt Jugendgruppe JN.

IN WHAT WE TRUST!

Unsere Hauptaufgabe in Oranienburg ist daher der Kampf gegen die NPD und ihre Kader, da sie die Jugendliche verblendet. Aber auch die rechtsoffenen Jugendlichen, sowie die Menschen, die die verschiedenen „ismen“ fördern und leben werden von uns nicht verschont.

Dies kann unserer Meinung nach nur mit der Stärkung der bestehenden Subkulturen und der Schaffung einer antifaschistisch und progressiv geprägten Jugendkultur funktionieren. Es ist bekannt, dass dort, wo viele „bunte“ Subkulturen existieren, Neonazis es schwerer haben in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Allerdings benötigen Jugendliche einen sicheren Ort. Dies kann nur ein alternatives, selbstverwaltetes Jugendzentrum sein.
Ein Jugendzentrum dient aber nicht nur zum Schutz, sondern auch zum Austausch und kennen lernen der verschiedenen Subkulturen und zum Schaffen von politischer Bildung, sowie verschiedenen Kulturangeboten. Das können Konzerte, Infoveranstaltungen oder ganze Jugendprojekte sein.

Um ein Projekt wie den Kampf gegen Neonazis und die anderen aufgezählten Missstände aufrecht zu erhalten und effektiv die Ziele zu erreichen, wollen wir auch Bündnisse mit engagierten Bürgern aus Oberhavel, mit Gewerkschaften, Verbänden und anderen antifaschistischen Gruppen eingehen.

Wir hoffen so, eine breite, Brandenburgweite Vernetzung aufbauen zu können.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • MySpace